1. 3. Gnosis/Erkenntnis



Die Erkenntnis | Halbgedachtes

Ursprünglich naturphilosophisch begründete Erkenntnis. Was Grund nicht nur des Christentums, sondern aller Weltreligionen, Theologie war.

Was heute als Gnosis aufgelistet wird, wurde von der frühen Kirche, die sich im allumfassenden Kulturkonzept als deren Anwalt sah, als sich „zu Unrecht“ auf Erkenntnis (Gnosis) berufende Denkweisen, Bewegungen verworfen. Dies führt den Begriff völlig in die Irre. Dies verbaut den Blick auf die Bedeutung von philosophischer Erkenntnis für das Christentum, wie die Weltreligionen. Gleichwohl klar ist, wie die aus philosophischen Weisheitslehren und Erkenntnis nach dem Wandel vom Mythos zum Logos entstanden.

3.1.Gnosis umfasst alle philosophische Erkenntnis

Alle philosophischen Erkenntnislehren, damit auch Christentümer wie die Manichäer, Kirchen, Bewegungen und Denkweisen, die in Konkurrenz zur allumfassenden römisch-katholischen Kirche standen, werden heute durch die Brille einer Heilspredigersekte betrachtet. Denn die wird bei der Kirche vorausgesetzt. Auch wenn das unhaltbar ist, kann naturphilosophische Erkenntnis (Gnosis), die anfänglichen Christen galt, daher allenfalls als eine dem Christentum aufgesetzte apologetische Einfärbung sein. Unmöglich!

So könnten Erkenntnislehren, die den Sinn allen Lebens, der den Juden als JHWH galt, nun in universaler Weise definierten, somit eine Lebenseinstellung in Weisheit, statt starren Nationalgesetzen vertraten, dem Christentum nur aufgesetzt worden sein. Und wenn dann beschrieben wird, wie die Anhänger dieser Lehren fortan von nichts anderem mehr sprechen wollten, als dies anderen mitzuteilen, hätte das nichts mit der christlichen Mission zu tun. Was das Christentum als eine über die Gesetzlichkeit der Väter hinausgehende Weisheit, wie damit eine universale Offenbarung des menschlich unbestimmbaren, ungenannt vorausgesetzten Sinnes, der war und sein wird (JHWH) ausmacht und somit das messianische Heil im Sinne Josua, lat. Jesus war. Das muss bei heutiger Hypothese in den Wind geschlagen werden. Denn wo ein Heilsprediger am Anfang stand, können nur die Trauervision von Anhängern dieses besonders schriftgelehrten Handwerksburschen gewesen sein, der durch Galiläa zog und große Reden schwang. Wonach dann die Denker rund um das Mittelmeer durch einen ungebildeten Fischer, wie einen sich nach Geistesblitz Paulus nennenden Sektenpolizisten überredet wurden, in diesem die neue Weltbestimmung zu sehen, wie sie die philosophische Weisheit ausmachte. Wahnsinn!

3.2. Gnosis sind nicht nur Lehren, die sich zu Unrecht darauf beriefen

Bevor daher aufgrund der sich zu Unrecht auf naturphilosophische Erkenntnis berufenden antiken Bewegungen, weil beispielsweise nur für Eingeweihte geltende oder mysteriöse Geheimlehre bleibend, statt für einen neuen Volkskult tauglich, Parallelen zur modernen Esoterik gezogen, von einer eigenen Religion oder einem religiösen Phänomen der Antike gesprochen wird. Da bringt die ursprüngliche Bedeutung des für naturphilosophische Erkenntnis stehenden Begriffes Klarheit. Denn was heute als Gnosis gilt, gründet in naturwissenschaftlicher Erkenntnis. Was von den Vätern der Kirche, die sich in ihrer volksförmigen Umsetzung als wahre Sachwalter dieser Erkenntnis sahen, ja auch nicht abgestritten wurde.

Doch auch wenn allein aufgrund schriftlicher Zeugnisse nicht verleugnet werden kann, dass Erkenntnis zum Christentum gehört. Bei der Hypothese von der Sekte eines Handwerksburschen, der als Heiland ausgegeben wurde, kann Erkenntnis allenfalls in Form geheimnisvoller Eingebungen vorkommen, die ein angeblicher Guru oder seine Groupies hatten. Wie die naturphilosophische Erkenntnis, gepaart mit der Erkenntnis, dass dies bereits das Thema des Alten Testamentes, wie der Mythen und ihrer Gottheiten war, zum Heil führte, das wir im Namen Jesus kennen. Das kann so nicht bedacht werden. So spielt die naturwissenschaftliche Erkenntnis, gleichwohl dies der Grund christlicher Religion war und darin heute auch die Verhaltenspredigt nicht allein der protestantischen Pfarrer, sondern auch die Umweltenzyklika von Papst Franziskus gründet, im Grunde keine Rolle.

3.3. Verworfene Lehren verweisen auf Erkenntnis in Kirche

Die verworfenen Erkenntnislehren und ihre Texte sind sehr aufschlussreich. Machen sie doch mehr als die kirchlichen Lehre, die zwar ganz klar von gleicher Erkenntnis ausging, der aber aufgrund ihrer kulturgerechten Ausdrucksweise und volksgerechten Ausdrucksweise heute dann doch die Verherrlichung eines Gurus unterstellt wird, deutlich: Diese Unterstellung ist unhaltbar. Die philosophische Einfärbung eines galiläischen Schriftgelehrten für antike Bildungsbürger, wie diese naturphilosophisch begründeten Lehren gegen besseres Wissen bei heutiger Hypothese abgetan werden müssen. Die lässt sich bei näherer Betrachtung ihrer christologisch-theologischen Inhalte und Argumentation, auch mit Blick auf die Auseinandersetzung mit der römisch-katholischen Volkskirche nicht halten.

Keine der in naturphilosophischer Erkenntnis begründenden frühen Christentümer, Kirchen oder sonstiger Bewegungen, die in Konkurrenz zur allumfassenden Volkskirche standen, kann unterstellt werden, dass dies die apologetische Ausgabe einer Heilspredigersekte für Bildungsbürger war. Für deren Bekehrung von naturphilosophischer Weisheit zum Christentum der gute Junge als Logos ausgegeben wurde. Doch bei heutiger Historien-Hypothese der in Konkurrenz zur allumfassenden Volkskirche stehenden Erkenntnisbewegungen, Kirchen, bleibt dies die einzige Erklärung. Was Geschichtswissenschaftler wie Christoph Markschies in ihren Werken über die die Erkenntnisbewegungen voraussetzen und anfänglich so ähnlich erklären, lässt sich aufgrund dessen, was wir inzwischen nicht nur durch kirchliche Polemik, sondern auch aufgrund immer neuer Textfunde über diese Denkweisen wissen und dann in ihren Büchern über die Erkenntnislehren beschrieben wird, nicht halten.

Doch nur sich in den Augen des allumfassenden, volksgerechten Kulturkonzeptes „zu Unrecht auf die Erkenntnis“ berufende urchristliche Lehren zu untersuchen, stellt nicht nur die Bedeutung von Gnosis ins glatte Gegenteil von dem, was für die antike Philosophie/Theologie Erkenntnis war. So wird auch das, was für diese Erkenntnis die Grundlage war: die naturphilosophische Lehre (Logos) und Weisheit, wie deren Sinn und so begründete schöpfungsrechter Lebensweise auf den Kopf gestellt. Doch die naturphilosophische Erkenntnis über das Lebenswesentliche, den Sinn allen Lebens und die richtige Lebensweise galt nicht nur den Philosophen, sondern den gesamten Vordenkern der Kirche. Was logischerweise bei der bisher geltenden Hypothese, dass ein Handwerksbursche der Grund christlichen Glaubens sei, dann unter den Tisch gekehrt werden muss. So muss dann sämtlichen anfänglichen Denkern, auch den Verfassern der Texte, die das christliche Wesen im Sinn der in Erkenntnis gewonnen Bedeutung darstellen, dann sonderbarerweise doch ein gutmenschlicher Schriftgelehrter unterstellt werden, der philosophisch eingefärbt wurde. Was bei der Gesamtbetrachtung, mit Blick auf die theologischen Inhalte und Debatten, wie das Wissen und Denken der Zeit völlig unmöglich ist.

3.4. Neubegründung prophetischen Bundes, statt fremder Gott

Die heutige Verkürzung von Gnosis auf die sich zu Unrecht darauf berufenden Lehren führt völlig in die Irre. Auch wenn Hans Jonas, der erstmals diese als gnostisch geltenden Lehren der Antike über die kirchväterliche Polemik hinausgehend untersuchte, die Lehren „von einem fremden Gott“ sehen musste. Weil der philosophisch erkannte Sinn allen Seins und so in Weisheit begründeten Lebenseinstellung und Lebensweise nichts mit dem himmlischen Vater eines Handwerksburschen zu tun hat. Hier wurden keine fremden Gottheiten eingeführt.

Die von hellenistischen Juden zu Recht im Namen Josua, lat. „Jesus“ vermittelte heilsame religionswissenschaftliche Heilsleistung war es, im bildhaft-aufgeklärten Verstand der Moses-Tradition und ihrer Texte die philosophische Erkenntnis (Gnosis) mit dem, was den Vätern wesentlich war, auf einen Nenner zu bringen. So wurde so der universale, nun auch Griechen offenen prophetischen Bund, wie er das Neue Testament ausmacht, erst ermöglicht. Denn wo bekanntlich die Moses-Propheten als vorausschauende Philosophen gesehen wurden, waren keine gutgläubigen Hirten, die nächtlichen Eingebungen hatten. Da waren Denker, die in Naturbeobachtung und astronomischer Himmelberechnung einen einzigen Sinn sahen und danach bisher nur Beschnitten geltende Lehren formulierten. Da wäre es angebracht, bei den Hebräern von früher Gnosis, naturphilosophischer Erkenntnis zu sprechen, statt die Einführung eines „fremden“ Gottes zu unterstellen.

3.5. Christliche Erkenntnis war philosophisch begründet

Gnosis war für Platon, der diesen Begriff prägte, mehr als nur die heute im banalen Allerweltwort zum Ausdruck gebrachte „Erkenntnis“, dass das Glas leer ist oder der Trank zur Verwirrung im Kopf oder Krankheit im Körper führte. Wobei letzteres schon Wissen um die Zusammenhänge voraussetzt. So war Gnosis das, was Logos (Naturlehre) folgte. Und damit das, was auch heute zur Lösung vieler Lebens- wie Weltprobleme gebraucht wird.  Denn aus naturphilosophischer Durchdringung der Welt, des öko-logisch zusammenhängenden Ganzen (Logos) wurde Erkenntnis über die richtige Lebensweise als Weisheit im schöpferischen Sinn gezogen. Eine allen Menschen gegebene Fähigkeit, die sinnlich wahrnehmbare Welt zu durchschauen, das zu erkennen, was im gemeinsamen Sinn das Wesentliche war, galt damals jedoch nur von den Philosophen auf kognitive Weise. Dies musste bei diesen, wie im gesamten Volk im Kult erst zur Motivation werden.

Auch wo jüdisch von Weisheit gesprochen, diese heute bei frühen Christen beschrieben wird. Da war dies ohne die naturphilosophische Erkenntnis in religionswissenschaftlicher Verarbeitung nicht denkbar. Weisheit ist nicht von Engeln im Schlaf als Offenbarung eingeflüstert, in Ausschaltung des Denkens erkannt oder in traditioneller Literatur, gar alten Mythen nachgelesen worden. Auch die naturphilosophisch begründeten Weisheitslehren der Welt auf einen Nenner zu bringen, gehörte zur Erkenntnis.

Wenn Christoph Markschies in „Die Gnosis“ beschreibt, wie nicht allein im Platonismus so die Philosophen das wirkliche Sein der Dinge, damit den natürlichen Sinn des Lebens als Voraussetzung für das richtige Handeln sahen. Wie kann er dann weiter einen sturzfrommen Schriftgelehrten an den Anfang stellen wollen, der dann als genau das ausgegeben wurde, was er bereits als Sinnerkenntnis und somit schöpfungsgerechter Lebensweise dem Platonismus bestätigt.

Womit bei Platon das Erkennen, Wiedererinnern einer ursprünglich dem Menschen eigenen Schau, die verloren war, hergestellt wurde. Damit die Menschen wieder mit dem Sinn allen Seins, ihrer wahren Natur verbunden wurden. Denn das beschreibt, was nach Platon und Aristoteles erstmals Theologie genannt wurde oder was die Aufgabe nicht nur des christlichen Glaubens, sondern von Religionen war und sein wird. Doch mit seinem „sturzfrommen“ oder wie Markschies im Dokumentarfilm sagt, besonders bibelschlauen Zimmermann, der seinem Vater bei der Arbeit half, ist die Kulturgeschichte weder zu erklären noch weiterzuführen.

3.6. Versöhnung mit dem gemeinsamen Sinn aller Natur, Kulturen

Wo im philosophischen Sinn von Gnosis gesprochen wurde, war das keine persönliche Gottesschau, kein Nachlesen in traditionellen Lehren, sondern wurde oft auch die Einheit der Religionen religionswissenschaftlich bedacht. Eine Banalität ist damit Gnosis auf keinen Fall. Sie beschreibt das, was uns heute, wo sich die Religionen auf ihre Bücher und Gründer berufen, gegenseitig bekämpfen, die Hochschullehrer von einem Handwerksburschen reden, der als Gott gesehenen oder offenbarenden christlichen Glaubensgrund worden sei, fehlt.

Währen heute Frau Merkel, wie andere europäische Politiker für die Flucht von Millionen verantwortlich gemacht werden, weil sie nicht verhindern, wie der König im Iran die Familien der letzten Rebellen des allein im Koran begründeten Gottesstaates (IS) mit Hilfe russischer Soldaten vertreiben lässt. Weil so deren Lebensgrundlage zerstört wird, Mord und in Folge maßloses Leid an den europäischen Außengrenzen ist. Und währen salbungsvolle Reden gehalten werden, nach einer neuen Politik, schärferen Gesetzen, der Verurteilung von Neo-Nationalismus gerufen wird, damit sich die Morde an Fremden, verirrter Angst vor Andersgläubigen, wie in Hanau nicht wiederholen. Da haben Philosophen den u.a. von Parmenides in Natur begründeten, bereits im Mythos beschriebenen, ewig Seienden Sinn allen Seins im Sinn der verschiedenen, aus dem Wandel vom Mythos zum Logos entstandenen Weltreligionen in Einheit bedacht. Das heute benötige Weltbürgertum ohne Angst vor dem Fremden, Andersgläubigen oder Überhebung einer Rasse gegenüber anderen ist nicht vom Himmel gefallen, sondern verdankte sich einer religionswissenschaftlichen Arbeit und so gewonnener Erkenntnis. Auch die berechtige Angst und Gefahr, die von Religionen ausgeht, kann nur in gemeinsamer, universal begründeter Erkenntnis aufgelöst werden, die am Anfang maßgebend war.

3.7. Jede Erkenntnislehre zwingt Kult in Naturwissen zu begründen

Es würde hier zu weit führen, alles Wissen aufgreifen zu wollen, das wir im Rahmen von Gnosis dann über das philosophische Denken, die jüdischen Weisheitslehren, von Philo von Alexandrien bis Qumran, die Offenbarung in philosophischer Erkenntnis gegenüber dem gottlosen Geschwätz von angeblichen Gotteslehren, geheimnisvollen Offenbarungen haben.

Wenn viele der dann als christliche Gnosis geltende Lehren als sich zu Unrecht auf Erkenntnis berufend verworfen wurden, weil sich die Väter der Kirche in ihrem volksgerechten Konzept als wahr Sachwalter von Erkenntnis sahen. Dann lässt sich die Ablehnung bei jeder einzelnen, der nicht wegen naturphilosophischer Erkenntnis, sondern deren falscher Umsetzung, von kirchlichen Vordenkern als Häresie verurteilten Lehren nachvollziehen. Doch ebenso lässt sich heute bei jeder inzwischen auch aufgrund neuer Textfunde rekonstruierten Konzepte nachvollziehen, wie die naturphilosophische Erkenntnis auch Grund des Neuen Testamentes ist. Denn mit keiner ist das zu machen, was heute zwangsläufig unterstellt werden muss. Um die Sekte eines Handauflegenden Handwerksburschen, der dann für Bildungsbürger als Logos ausgegeben wurde, ist es nicht allein im Manichäismus unmöglich gegangen. Wo die Weisheitslehren des Ostens, wie des Westens, Buddhismus mit persischer Philosophie im Namen Zarathustra, sowie der griechisch-christlicher auf einen Nenner gebracht wurden. Da war das keine Apologetik, um einen Handwerksburschen als universale Weisheit schmackhaft zu machen. Auch bei den Markionisten als Erstherausgebern, möglicherweise gar Erstverfassern (noch nicht im Sinn der Tora) des neutestamentlichen Kanons oder auch nur einer der heute auch aufgrund von Textfunden erst rekonstruierten Lehren ging es nicht um einen Guru. Der Grund aller philosophischen Erkenntnis, wie des christlichen Glaubens war eindeutig die Natur, die wir heute nur weiter durchdrungen haben, nun empirisch in einheitlichen Prinzipien erklären.

Auf jeder Seite der Bücher, die auch Christoph Markschies über die Gnosis, deren christliche Ausprägung, die Valentianer, Markionisten oder die Buddhismus, Zoroastrismus, wie Christentum (damit das universale Judentum) auf religionswissenschaftliche Weise zusammenfassenden Manichäer schreibt, zeigt sich, wie unhaltbar seine bei heutiger Historien-Hypothese notwendige Unterstellung ist. Bei jeder verworfen philosophischen Erkenntnislehre, bei jedem der philosophischen Denker, die sie verwarfen, wie in jedem der der Gnosis zugerechneten in Neuzeit ausgegrabenen Texte, lässt sich der Nachweis erbringen: Hier ist es nicht darum gegangen, einen jungen Mann apologetisch den hellenistischen Bildungsbürgern als das glaubhaft zu machen, was in naturphilosophischer Lehre (Logos) erkannt wurde. Mit einem Guru, der in Trauervisionen seiner Groupies zum Christus, so Weltbestimmung oder zu dem wurde, was bisher nur den Philosophen das Wesentliche, so Grundlage für die Weisheitslehre war, wird das historische Wissen ausgeblendet, die Geschichte auf den Kopf gestellt.

3.8. Die Zeit der Hellenisierungs-Hypothesen ist um

In Zeiten von Adolf von Harnack, als Christus noch kein gegen seinen Willen verherrlichter Handwerksbursche, sondern die kaum hinterfragt hoheitliche Größe war. Als nicht nur Karl Barth vom historischen Jesus nach historischer Kritik nichts wissen wollten „ich kennen diesen Herren nicht“, sondern auch für die entmythologisierende Bultmannschule ein hoheitliches Wesen das historische war. Da war es verständlich, in den Lehren, die sich in den Augen der allumfassenden Volkskirche zu Unrecht auf Erkenntnis beriefen, ein „Sammelsurium von Fossilen“ zu sehen ist. Doch auch wenn Harnacks eigenes theologisches Ideal weit von naturwissenschaftlicher Erkenntnis entfernt war. Aus seinem schlichten dogmatischen Evangelium Jesus Christus, auf den der vor wenigen Jahren in Heidelberg für das Neue Testament verantwortliche Klaus Berger immer noch bestehen will, nicht wie unzählig schriftlich gebeten, die christliche Vernunft bedenken wollte. Aus dem ist Dank historischer Kritik ein bedeutungsloser junger Mann geworden, mit dem die Anfänge nicht zu erklären sind.

Wer daher Gnosis nicht durch die Brille der Zeit, sondern einfach als religionsphilosophische Erkenntnis betrachtet, wie sie auch Christoph Markschies in seiner Einleitung vorstellt. Und dabei die ganzen philosophischen Konzepte des Hellenismus und der Spätantike beherzigt, die den Sinn allen Seins dann auch im Sinn des nicht mehr als Mythos, sondern als frühe Philosophie verstandenen Moses-Gesetzes auslegten. Der weiß, welche Erkenntnis der christlichen Offenbarung im Sinn des auferstanden gesehenen Josua, lat. Jesus als wahren König, Sohn, Gesalbten „Christus“ zugrunde liegt.

Dass im Laboratorium der Zeit ein Wildwuchs an Lehren, unterschiedliche, die Tora ablehnenden, auch dualistisch weltverwerfenden Modelle war, um die Weisheit an Frau und Mann zu bringen. Die christliche Erkenntnis dann ähnlich wie in Mithras-Mysterien für Männer, dann auch auf christliche Weise nur unter Eingeweihten gefeiert wurde. Was der Korintherbrief verurteilte, den apollonisch-intellektuellen Weisheitslehren vorwarf. Das ist ebenso verständlich, wie dass die menschliche Erscheinung des Logos/Weisheit im Religionskonzept des kulturellen Gedächtnissens für die Volkskirche wesentlich war. Und so kann auch verstanden werden, wie Wildwuchs, der für einen universalen Volkskult untauglich war, von der allumfassenden Kirche verworfen werden musste. Damit wäre keine Volksmotivation zu machen gewesen.

Doch die philosophische Erkenntnis des Lebenssinnes und so begründeter Lebenslehre, die auch den Vordenkern der Kirche galt, war kein geheimnisvoller Stoff, der den Religionen der Antike parasitär aufgesetzt wurde oder eine eigenständige Religionsform. Sie hat auch nicht mit dem sich als christlich verstehenden und damals so verstandenen Manichäismus aufgehört, der in der Erkenntnis des gemeinsamen Sinnes die großen Weltreligionen vereinen wollte. Sie ist in Volksreligionen, wie dem heutigen Judentum, dem Christentum und damit auch dem Islam aufgegangen.

3.9. Kirche, wie Koran gründet in naturwissenschaftlicher Erkenntnis

Nachdem sich die Kirchenväter auf den Logos beriefen, für die Weisheit einen allumfassenden bildfreien Kult, die Kirche im Sinn Moses bauen wollten. Da musste – auch wenn das die Vordenker des Koran, Christen ohne Kreuz und Gottessohn verurteilten, einen Propheten verkünden ließen – die Weisheit das Kreuz der Zeit, der alten Wesentlichkeiten tragen, die menschliche Erscheinung eines Gottesssohnes als neuer Moses sein. Doch setzt all dies die religionswissenschaftliche Erkenntnis einer im Vernunft-/Naturlehre (Logos) begründeten Sinn, damit in universaler Weisheit, statt Nationalgesetzen begründeten Verhaltenslehre voraus.

Ohne aber dafür noch einen einzigen historischen oder exegetischen Grund zu haben, weiter nur die Sekte eines Handwerksburschen aus Nazareth (was übrigens in den Nassenern=“Erkennenden“ im Sinn Moses begründet wird) an den Anfang zu stellen. Das ist völlig absurd. So hätte dann zwangsläufig alle naturphilosophische Erkenntnis, in der das neue jüdische Heil „Jesus“ erwachsen ist, heute nichts zu sagen, hätte mit dem Grund des Glaubens nicht allein von Christen nichts zu tun.

Der weiter einen einfachen jungen Mann an den Anfang stellende Markschies macht auch in Forschungsstudien zum Neuen Testament selbst deutlich, wie beispielsweise Valentin (dessen Schüler dann wegen Missachtung der allumfassenden, volksgerechten menschlichen Erscheinung als sich zu Unrecht auf Erkenntnis berufend abgelehnt wurden) eine „Vermittlungstheologie“ betrieb. Und diese Vermittlung zwischen Naturwissen und den Mythen der verschiedenen Kulturen, die nicht nur Valentin, sondern fast alle philosophischen Denker, gerade die christlichen Väter betrieben, ist auch heute mehr als gefragt.

Wo dann von Markschis auch noch erklären wird, wie der bei Philo philosophisch in antiker Öko-Logik begründeten Sinn, damit das neue Gottesverständnis von Valentin in alten Kultworten beschrieben wird. Da wird klar, wie hier kein Guru für Bildungsbürger als Logos ausgegeben wurde. Auch wie der Kunstmythos der alten Kultur für die philosophische Lehre, Erkenntnis, Weisheit im Konzept des religionswissenschaftlichen erklärten kulturellen Gedächtnisses gebraucht, keinem Guru aufgesetzt wurde, wird deutlich.

Wo Jesus noch der Christus war und bei aller philosophische Lehre dann wie Adolf von Harnack unterstellen musste, von einer Hellenisierung ausgegangen wurde, musste die philosophische Erkenntnis als ein dem Christus aufgesetzter Fremdkörper gesehen werden. Doch wenn heute ein Handwerksbursche an den Anfang gestellt wird, der alles nicht war und wollte, auch die Hellenisierung ins Wasser gefallen ist, sondern erkannt wird, wie das Christentum als kultureller Synthese von Juden und Griechen aus dem Hellenismus erwuchs. Da lässt sich das gesamte Wissen, das wir über die philosophische, dann christliche und den Vordenkern der Kirche nicht abzusprechende Erkenntnis haben, nicht durch die Hintertür doch wieder als Hellenisierung, philosophische Einfärbung hinstellen.

Was heute der Antike unterstellt wird, dazu muss man sich folgende Annahme vorstellen: Angenommen heute würde nicht weiter nur aufgrund nationaler Bücher, Namen oder persönlicher Vorstellungen von Gott und seinem Willen geredet, sondern selbst in der Kirche der den alten Kulturen in vielen Namen wesentliche Sinn allen Seins, wie damit das Verhalten in Natur begründet. Der wissenschaftlich abgeschriebene, mit der Aufklärung für tot erklärte, würde so auch nicht als philosophie- und naturfreie letzte Hoffnung gelehrt, sondern in Naturlehre die allen Religionen gemeinsame Wesentlichkeit begründet.

Und dann würden ein Guru, wie viele auch durch Heidelberg laufen, nicht nur den Theologen, die dies ja der Antike unterstellen, sondern dortigen naturwissenschaftlichen Hochschullehren als genau das verkauft und so als das geglaubt, was diesen Wesentlich ist. Was diese bisher in Naturlehre als Sinn und somit ökologisch-humanistisch gerechte Lebensweise „Ökologie des Menschen“ dann Weisheit als Weltkönig im Sinn, Heil Josua, Jesus, damit „Christus“ sahen und so definiert hatten. Wahnsinn!